Die neue Krankheit
Die stark zunehmende Bedeutung des Internets ist Grundlage für ein Krankheitsphänomen namens Cyberchondrie – zusammengesetzt aus Cyberspace und Hypochondrie.
Letzteres ist unbegründete Angst durch eine erhöhte Aufmerksamkeit auf Krankheitssymptome.
Bei Cyberchondrie können sich durch Internetrecherchen die Krankheitsängste um bis zu 40 Prozent verstärken. Derzeit schätzt man, dass sich sechs Prozent von fünf Millionen Deutschen zu große Sorgen um ihre Gesundheit machen.
Leider lernen Menschen im Normalfall nicht, mit dem Thema Krankheit umzugehen. Die meisten sind froh, wenn sie gesund sind und nehmen Krankheiten als ein Übel hin, von dem man hoffentlich verschont bleibt. Es fehlt das Wissen, wie Krankheiten entstehen und wie man sein Leben gestalten sollte, dass sie weniger oder bestenfalls keinen Grund haben, auszubrechen.
Menschen, die diese Zusammenhänge nicht kennen, sind Krankheiten und der Angst vor ihnen ausgeliefert.
Sehen sie im Internet schlimme Symptome, werden ihre Ängste noch geschürt. Leider verändert sich auch die Arzt-Patient-Beziehung in den letzten Jahren zunehmend. Medizinische Versorgungszentren schießen wie Pilze aus dem Boden. Vertrauen aufbauen zu können wie es in der alteingesessenen Hausarztpraxis üblich war, wird immer seltener, denn wer mag seine Sorgen und Ängste ständig einem anderen Arzt vortragen, der meist nicht mehr als zehn Minuten Zeit hat und zunehmend computergesteuerte unpersönliche Diagnosen stellt.
Patienten mit Cyberchondrie oder auch Hypochondrie benötigen erfahrene, ihnen vertraute, Mediziner mit denen sie über ihre innersten Ängste und Nöte sprechen können. Ist die notwendige Zeit und Ruhe vorhanden, ist die wichtigste Voraussetzung erfüllt. So können wir Ärzte in den Gesprächen gezielt auf die Fragen und Ängste eingehen und unsere Patienten mit den nötigen Informationen versorgen um die eigene Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen.
Aber lassen Sie uns doch darüber hinaus auch die unendlichen Vorteile des Internets nutzen, die es zweifelsfrei gibt. Bei allen Nachteilen, die der Zugang zu fast unendlicher Informationsflut haben kann, gibt es natürlich ebenso die andere Seite der Medaille.
Die Technik der schnellen Informationsbeschaffung ist bestens geeignet, helfende Hinweise für Patienten mit Krankheitsängsten bereit zu stellen.
Bitte informieren Sie sich dazu im Internet und achten Sie auf Beiträge, welche Ihnen aufzeigen, was Sie selbst tun können und die zunehmend dafür sorgen, dass überflüssige Ängste durch Wissen abgebaut werden. Da ich dieses Thema für grundlegend halte, habe ich selbst mittlerweile etwa über 170 Videos über die Entstehung und Therapie vieler Krankheiten kostenfrei auf meinen YouTube-Kanal gestellt. Besonderer Augenmerk liegt dabei darauf, was Patienten selbst tun können um sich – wenn nötig in Absprache mit dem Arzt ihres Vertrauens – selbst zu helfen.
