Ops und Implantate: Die “Implant Files” decken auf

Ärzte behandeln in einem OP-Saal einen Patienten

Zum Glück haben die meisten Patienten eine natürliche Scheu davor, sich operieren oder künstliche Teile in ihren Körper einbauen zu lassen. Das ist gut so! Denn: Wir sind genetisch so konstruiert, dass alles, was wir zum Leben brauchen, “aus Fleisch und Blut” in uns eingebaut ist. Gott sei Dank ist unsere moderne Hochleistungsmedizin jedoch dazu in der Lage, in bestimmten Situationen Leben retten oder eine gewisse Lebensqualität erhalten zu können. Vor allem bei schweren Unfallverletzungen oder lebens- und gesundheitsgefährdenden Zuständen können Implantate die Funktion von zerstörten “Originalteilen” übernehmen. Bei Gelenken und der Wirbelsäule ist jedoch die Frage, ob man diese Möglichkeiten nutzen sollte und, wenn ja, welche von ihnen Sinn ergeben, wenn es um langfristige Schmerzfreiheit geht.

Im letzten Monat (November 2018) wurden neueste Erkenntnisse veröffentlicht, die vieles, was ich als Ärztin seit Jahren erlebe, mal wieder bestätigt. Der Spiegel (Nr.47) berichtete über den Sinn und Unsinn von Operationen, basierend auf einigen aufrüttelnden und aussagekräftigen Studien. Man fand unter anderem heraus, dass es Patienten, denen eine Operation bloß vorgegaukelt wurde, genauso gut ging wie den tatsächlich operierten. Solche randomisierten Studien stellen vieles in Frage, was in der herkömmlichen Medizin als sicher und erwiesen gilt. Auch die Tatsache, dass bestimmte Wirbelsäulen-Operationen in bestimmten Landkreisen 13-mal häufiger durchgeführt werden als in anderen, gibt zu denken.

Zusammengefasst wird berichtet, dass viele Operationen den Patienten weitaus weniger helfen als zunächst erwartet. Dies deckt sich exakt mit den Erfahrungen, die ich seit vielen Jahren mache. Immer wieder erlebe ich bei der Behandlung meiner Patienten, dass eine neue Art des Schmerzverständnisses und der Schmerzbehandlung wesentlich zielführender ist als der bloße Austausch von Körperteilen. Es freut mich wirklich sehr, dass die schulmedizinische Forschung unsere neue Vorgehensweise bei der Behandlung von Schmerzzuständen bestätigt. Somit wird die herkömmliche Schmerztherapie, die vielen Patienten bei der Bekämpfung ihrer Schmerzen nicht ausreichend helfen kann, immer mehr von Vertretern der herkömmlichen Medizin selbst massiv in Frage gestellt. Insbesondere zum Wohle vieler Schmerzpatienten, die oftmals völlig umsonst leiden und bei denen Operationen in den meisten Fällen überflüssig sind, ist dieses Umdenken längst überfällig.

Was mich ganz besonders schockiert hat, waren die Erkenntnisse eines internationalen Journalistenteams von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung. In der Reportage unter dem Titel “Implant Files — Das gefährliche Geschäft mit der Gesundheit” brachten sie dubiose Zulassungspraktiken von Implantaten und deren Auswirkungen — Verletzungen und Todesfälle — ans Licht. Die Implantate erhalten ihre CE-Zulassung gegen Bezahlung von privaten Instituten. Anders als bei Medikamenten, ist es bei Implantaten nicht zwingend notwendig, Studien vorzulegen, die den Nutzen und die Qualität von künstlichen Hüften, Herzschrittmachern, Insulinpumpen usw. belegen. Die Recherche beschreibt dieses Geschäft als manipulierbar, fehlerhaft und korrupt. Dies wird mit erschreckenden Zahlen untermauert.

Daher mein dringender Rat an Sie als Patient: Lassen Sie sich bitte nur operieren, nachdem Sie alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft haben, und holen Sie verschiedene Meinungen ein.