Lavendel: Arzneipflanze des Jahres 2020

Ein Lavendelstrauch ist abgebildet

Im Frühsommer um die Monate Mai und Juni herum sind die blau-violetten Blüten des Lavendels in der südfranzösischen Provence und den mediterranen Regionen wie der Toskana, Spanien, aber auch in Griechenland und Kroatien zu bestaunen. In Deutschland dauert es etwas länger, bis er in seiner vollen Blütenpracht steht, da es hierzulande noch deutlich kühler ist. Mitte Juli — spätestens aber im August — kannst du den wohltuenden Duft der Lavendelsträucher auch in unseren Breiten genießen.

Schon die Römer schätzten den Lavendel besonders wegen seines kräftigen und zugleich entspannenden Duftes. Auch wenn es sich bei dem Lavendel in der griechisch-römischen Antike um den Schopf-Lavendel, einer Untergattung des Echten Lavendels handelte, nutzten sie ihn unter anderem als Zugabe im Wasch- und Badewasser. Das lateinische Verb „lavare“, das in dem Namen steckt und übersetzt „waschen“ bedeutet, weist bereits auf die damals bevorzugte Verwendung von Lavendel hin. 

Auch Hildegard von Bingen berief sich Jahrhunderte später, in der Mitte des 21. Jahrhunderts etwa, auf den starken Duft und empfahl ihn zur äußerlichen Anwendung. Ebenso gegen Ungeziefer sei er eine gute Hilfe.

Verwendung damals

Der sogenannte Echte Lavendel mit der lateinischen Bezeichnung „lavandula angustifolia“ gehört zur Familie der beliebtesten Lippenblütler. Zu ihnen zählen übrigens auch Kräuter wie Rosmarin, Salbei, Zitronenmelisse, Thymian, Basilikum sowie viele andere. Seine Verwendung als Arzneipflanze geht auf die Klostermedizin zurück, wo er speziell bei nervösen Zuständen und Schlaflosigkeit Abhilfe schaffte. Berief man sich damals noch auf Erfahrungen und erzählte oder überlieferte die Erfolge mit der Arzneipflanze schriftlich, können wir heute bereits auf Studien zurückgreifen, in denen die Wirksamkeit des Lavendels bewiesen ist.

Belege für die Wirksamkeit von Lavendel in der heutigen Forschung

Als pflanzliches Arzneimittel dient er dabei in Form eines speziellen, hoch dosierten Öls in Kapselform für eine Langzeit-Kur von unterschiedlicher Dauer. Bei Patienten mit innerer Unruhe, Angstzuständen und Schlafstörungen konnte eine solche Therapie Wirkung zeigen. 

Den Wirkmechanismus von Lavendel im Gehirn konnten Forscher der Universität Frankfurt bereits offenlegen. Kommen ständig Reize im Gehirn an und werden nicht mehr richtig gefiltert, gibt es eine Reiz-Überflutung. Aufgrund dieser Überflutung stehen die spannungsabhängigen Kalziumkanäle länger offen, sodass mehr Kalziumionen in die Nervenzellen strömen.

Die Folge: Ein Übermaß an erregenden Neurotransmittern wird ausgeschüttet, was zu einer Übererregung der nachgeschalteten Nervenzellen führe. Permanente Anspannung, nervöse Unruhe oder auch anhaltende Angstzustände resultieren daraus. 

Die heilenden Wirkstoffe des Lavendels überwinden jedoch innerhalb von nur zwei Stunden die Blut-Hirn-Schranke und sorgen für einen reduzierten Kalziumeinstrom in die Kanäle. Ein natürliches Gleichgewicht zwischen erregenden und hemmenden Neurotransmittern kann auf diese Weise wieder hergestellt werden. ((Lavendel — Arzneipflanze des Jahres 2020. Innere Unruhe mit Schlafstörungen. In: MMW – Fortschritte der Medizin, 06/2020)) Das Gute bei dem Phytotherapeutikum Lavendel ist, dass er im Gegensatz zu anderen anxiolytisch-wirkenden (angstlösenden) Medikamenten nebenwirkungsfrei ist.

Vielseitig einsetzbar

Du musst jedoch nicht unbedingt unter diesen spezifischen Symptomen leiden. Lavendel ist vielseitig anwendbar, sodass du auf ganz unterschiedliche Weise von ihm profitieren kannst. Trockne beispielsweise die Blüten und lege sie in einem Säckchen unter dein Kissen. Wenn du vor dem Schlafen daran riechst, wirst du feststellen, dass dich der Geruch sanft einschlafen lässt. Das Säckchen kannst du übrigens auch zwischen deine Kleidung legen. So hast du gleichzeitig einen natürlichen Schutz gegen Motten. 

Mit dem Öl kannst du dich beispielsweise an den Füßen — selbstverständlich auch an anderen Körperbereichen — einreiben und massieren. Oder du gönnst dir eine Auszeit mit Aromatherapie und nutzt beispielsweise einen Diffusor, der dir einen angenehmen Raumduft schenkt.