Hanf — Superfood und potentes Heilmittel?

Hanf in unterschiedlichen, verarbeiteten Produkten. Als Hanfsamen, Hanföl, Salbe

Der Hanf erfreut sich seit einiger Zeit neuer Beliebtheit. Generell rücken altbekannte Nahrungsmittel in den letzten Jahren unter dem Titel “Superfood” vermehrt in den Mittelpunkt der Medizin. Hanf tut dies meiner Meinung nach zu Recht — denn er wartet mit einem umfangreichen Spektrum an Vitaminen, Mineralstoffen und allen lebenswichtigen Aminosäuren auf. Das Verhältnis von Omega 3- zu Omega 6-Fettsäuren ist nahezu perfekt und sein nussiger Geschmack überzeugt selbst in pflanzlichen Milch-Alternativen.

Sie merken schon: Der Hanf als reine Kulturpflanze ist längst überholt. So viel mehr hat er heute zu bieten. In die moderne Küche hat er längst Einzug gehalten. Insbesondere seine Samen sind vielseitig einsetzbar. Ob im Smoothie oder Brot, als Brotaufstrich oder Gemüse — der eigenen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Dargestellt sind Stoffe und Garne aus Hanf in einer offenen Holztruhe

Neben seinem Einsatz in der Küche — beim Backen und Kochen — lassen sich selbst Kleidungsstücke und Schuhe aus Hanf herstellen. Tatsächlich gibt es einige Läden, die sich auf Hanf und seine Inhaltsstoffe spezialisiert haben und verschiedenste Produkte anbieten. So gibt es etwa Süßigkeiten wie Hanfschokolade, Tee, Bonbons und Kaugummi, aber auch Kosmetik wie Shampoo, Salben und Gesichtsmasken aus Hanf.

Im Vordergrund stehen dabei nicht nur seine Inhaltsstoffe, sondern auch die Nachhaltigkeit dieses interessanten Rohstoffes. Denn die Hanfpflanze ist anspruchslos und wächst auf nahezu jedem Boden.

Sein dichtes Blätterwerk, seine Fasern und Samen sind resistent gegenüber Pilzbefall und anderen Schädlingen, sodass es keiner chemischen Behandlung der Pflanze mit Pflanzenschutzmitteln bedarf. 

Hanf als Arzneimittel zulässig: THC und CBD 

Tatsächlich lässt sich die ganze Pflanze optimal verwerten, sodass von dem Rohstoff nichts verloren geht. Im Mittelpunkt des medizinischen Interesses stehen jedoch aktuell die — weiterhin umstrittenen — Inhaltsstoffe THC (Tetra-Hydro-Cannabinol) und CBD (Cannabidiol).
THC ist als psychoaktive Substanz dafür bekannt, dass sie unsere Wahrnehmung beeinflusst. Denken, Gedächtnisleistung, Stimmung und das Bewusstsein können von der berauschenden Wirkung mehr oder weniger stark beeinträchtigt werden. Entscheidend sind hierbei die aufgenommene Dosis und die Konsumform.

Besonders gefragt sind derzeit Produkte, die das Cannabidiol enthalten — wohl auch deshalb, da es frei verkäuflich zu erwerben ist. Schaut man sich die chemische Struktur an, unterscheidet sich das CBD vom THC lediglich in einem Molekül. Doch gerade dieses Molekül sorgt für den feinen Unterschied in der Wirkung. Während THC die berauschende Wirkung auf den Organismus hat, kann möglicherweise auch mit Cannabidiol ähnliche Symptomlinderung erreicht werden. Im Gegensatz zum THC jedoch ohne die berauschende Wirkung zu erfahren. 

Zu sehen sind Hanfblätter und das extrahierte Hanföl
Körpereigene Rezeptoren und die Bindung beweist nachweisliche Effekte

Durch die Bindung an zwei körpereigene Rezeptoren können Cannabinoide wie beispielsweise THC und CBD nachweislich Effekte auf bestimmte Bereiche unseres Körpers haben. Die entscheidenden Rezeptoren dafür sind der Cannabinoid-Rezeptor 1 (CB1) und der Cannabinoid-Rezeptor 2 (CB2). Während sich der CB1 im zentralen Nervensystem und in den Nerven des Darms befindet, ist der CB2 auf den Zellen des menschlichen Abwehrsystems und auf solchen, die den Knochenstoffwechsel regulieren, zu finden.

Diese Rezeptorverteilung ist möglicherweise für die vielfältigen Wirkungen verantwortlich. So ist verständlich, dass Cannabidiol (CBD) ebenso Einfluss auf die Schmerzwahrnehmung, Angstenstehung und unsere allgemeine Stimmungslage hat. Zudem soll es den Appetit anregen und eine entzündungshemmende Wirkung haben. 

Dabei entfaltet es im Vergleich zu THC jedoch keine rausch-ähnlichen Effekte. 

Auch bei anderen Krankheiten wird das Cannabidiol eingesetzt. So soll es insbesondere bei Migräne, Asthma, MS, Epilepsie, dem Tourette-Syndrom und bei rheumatischen Erkrankungen positive Wirkungen haben.

Derzeit ist die Studienlage leider noch recht dürftig, um klare Aussagen über die versprochene Wirksamkeit des CBD treffen zu können.

Fakt ist jedoch, dass auch hier sowohl Nebenwirkungen als auch Wechselwirkungen bei der Einnahme erwartet werden sollten. Nehmen Sie deshalb vor der Einnahme immer Kontakt zu einem Arzt auf, der sich auf diesem Gebiet auskennen sollte und halten Sie mit ihm Rücksprache.