Tiermilch — neueste Forschung

Tiermilch in Flaschen abgefüllt und bei der Kontrolle in einem Labor. Ein Mann trägt Werte in Statistiken ein

Wer an der Tatsache zweifelt, dass Tiermilch für uns Menschen ungesund sein könnte, sollte beim Namen Prof. zur Hausen aufhorchen. Denn der bekannte deutsche Forscher und Träger des Medizin-Nobelpreises 2008 hält einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Milchprodukten bzw. Rindfleisch und dem Auftreten von Brust- und Darmkrebs sowie Multiple Sklerose für möglich. Die derzeitige Studienlage unterstützt seine Vermutung.

Neue Erkenntnisse dazu kommen aus dem Krebsforschungszentrum Heidelberg. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich Menschen beim Verzehr von Milchprodukten und Rindfleisch mit bestimmten Erregern identifizieren können. Es handelt sich um neu entdeckte DNA-Erreger, die sowohl im Blut von Kühen als auch in deren Milch gefunden wurden. Sie werden als BMMFs bezeichnet — Bovine Meat and Milk Factors. Das Forscherteam der Heidelberger Universität wies genau diese BMMFs bei an Krebs und Multiple Sklerose erkrankten Menschen nach. Es wird noch einige Zeit dauern, bis sich diese ersten Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen BMMFs und der Entstehung von Krebs oder MS konkretisieren. Aber so ist es immer in der Medizin: Von der ersten Vermutung bis zum sicheren wissenschaftlichen Nachweis können viele Jahre vergehen.

Denn es gibt weitere Bestandteile der Kuhmilch, die Menschen gefährlich werden können — die mikroRNS. Deren Aufgabe besteht darin, spezifische Gene abzuschalten, die das Zellwachstum hemmen und normalisieren. Diese wachstumsfördernde Wirkung von Milch ist während der Stillzeit bei Babys gewollt. Doch die Aufzucht durch die Muttermilch ist auf einen engen Zeitraum begrenzt — bei Kühen ebenso wie bei Menschen. Es gilt heute als gesichert, dass mikroRNS aufrund der ständigen Wachstumsstimulation als wichtiges Kriterium bei der Krebsentstehung zu sehen sind, denn dort ufert ja das Zellwachstum aus.

Sowohl die BMMFs als auch die mikroRNS werden von kleinsten Nanopartikeln, den sogenannten Exosomen, durch den Verzehr von Milch und Fleisch auf den Menschen übertragen. Lange Zeit nahm man an, dass diese Teilchen bei technischen Verarbeitungsprozessen, etwa bei der Pasteurisierung der Milch, zerstört würden. Doch auch dies stellte sich als Irrtum heraus. Zusätzlich zu den schon beschriebenen Effekten wird die vermehrte Aktivierung des Wachstumshormons IGF-1 beim Menschen durch Tiermilchprodukte gefördert — d. h., das Zellwachstum nimmt noch mehr zu. Dies sind nur einige der aktuellsten Forschungserkenntnisse.

Ich finde es spannend, dass hier — wie in vielen anderen Forschungsfeldern der Medizin –das von mir seit langem durch Erfahrung gewonnene naturheilkundliche Wissen zunehmend bewiesen wird. Auch meine Ernährungsempfehlungen — vor Milch warne ich seit 30 Jahren — sind durch neueste, immer exakter werdende Forschungen belegt. Verzichten meine Patienten auf Tiermilchprodukte und ernähren sich hauptsächlich pflanzlich, kann ich Gesundungen bei ihnen beobachten, die von der herkömmlichen Medizin zunächst nicht für möglich gehalten werden.