Tabuthema Mundgeruch

Eine Frau hält sich die Hand vor den Mund, da sie Mundgeruch hat und sich schämt

Es gibt Themen, über die niemand gerne spricht. Auch mir als Ärztin fiel es teilweise schwer, meine Patienten darauf anzusprechen. Dennoch möchte ich die volle Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen und ihnen helfen, gesünder und glücklicher zu leben. Mittlerweile weiß ich, wie ich solche Themen behutsam ansprechen kann.

Mundgeruch als Symptom bestimmter Erkrankungen
Mundgeruch gilt immer noch als Tabuthema. Sicher ist er für Betroffene und die Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung nicht gerade angenehm. Dabei kann Mundgeruch in manchen Fällen ein wichtiges Indiz für ernsthafte Erkrankungen sein. Eine chronische Magenschleimhaut-Entzündung, Erkrankungen des Verdauungstrakts, eine Nierenschwäche aber auch Lebererkrankungen oder Altersdiabetes können für einen üblen Geruch in der Mundhöhle sorgen. Glücklicherweise ist der Mundgeruch in 90 Prozent der Fälle auf die Mundhöhle und eine vernachlässigte Zahnhygiene zurückzuführen. Nur zehn Prozent gehen auf organische Ursachen, etwa im Magen-Darm-Trakt, zurück.

Mundgeruch hat jeder
Die meisten von Ihnen kennen sicher den übelriechenden Geruch und Geschmack nach dem Schlaf. Am Morgen sehnt man sich danach, die Zähne zu putzen, bevor man mit anderen Menschen in Kontakt tritt. Dieser Geruch ist ganz normal, da sich nachts Bakterien in unserem Mund sammeln, die übelriechende Gase produzieren. Da diese während der Nachtruhe nicht von Lebensmittelaromen überdeckt werden und unser Mund die meiste Zeit geschlossen ist, sammeln sie sich bis zum Morgen. Diese Mundgerüche treten auch vermehrt bei Menschen auf, die längere Zeit fasten – denn durch die reduzierte Nahrungsaufnahme haben Bakterien gute Gelegenheit, sich zu vermehren. Um den unangenehmen Gerüchen entgegenzuwirken, können Sie in diesen Momenten gerne auf Basilikum-, Minz- oder Salbeiblättern kauen. Diese verleihen Ihnen einen angenehm frischen Geschmack. Trinken Sie ausreichend stilles Wasser und Kräutertees. Ich bevorzuge grünen Tee.

Die richtige Mundhygiene ist entscheidend
Doch auch ein “normaler” Mundgeruch lässt sich weitestgehend vermeiden. Ganz wichtig sind natürlich eine umfangreiche Mundhygiene und die richtige Zahnpflege:
Dafür sollten Sie mindestens zweimal täglich Ihre Zähne für drei Minuten gründlich putzen.
Eine professionelle Zahnreinigung zwei- bis dreimal im Jahr erachte ich außerdem als ein absolutes Muss. Dadurch lässt sich einer chronischen Zahnfleischentzündung (Parodontitis) meist sehr gut vorbeugen.
Integrieren Sie des Weiteren das Ölziehen in Ihre Morgenroutine, können Sie das bakterielle Gleichgewicht in der Mundhöhle zusätzlich regulieren. Verwenden Sie dafür Kokosöl. Das erleichtert Ihnen nicht nur aufgrund der zunächst festeren Konsistenz, sondern auch wegen des tropischen Geschmacks den Einstieg. Wie Sie das Ölziehen durchführen und welche wunderbaren Effekte es auf Ihre Gesundheit haben kann, lesen Sie hier.
Säubern Sie zusätzlich Ihre Zunge mit einem Zungenschaber.
Vergessen Sie auch nicht die Reinigung Ihrer Zahnzwischenräume. Verwenden Sie hierfür mindestens einmal täglich Zahnseide.

Frisches Obst und Gemüse wirken positiv auf die Mundflora
Jeder Mensch hat nicht nur einen individuellen Körpergeruch, sondern auch einen ganz persönlichen Mundgeruch, der auf den sogenannten Biofilm im Mund zurückgeht. Wie sich dieser zusammensetzt, hängt ganz stark von der eigenen Ernährungsweise ab. Konsumieren wir viele Süßigkeiten, die die Bakterien im Mundraum nähren, setzen sich die Bakterien anders zusammen als bei Menschen, die beispielsweise viel frisches Obst und Gemüse essen. Der Verzehr von frischen, pflanzlichen und naturbelassenen Nahrungsmitteln ist der beste Weg, um Mundgeruch zu vermeiden beziehungsweise vorzubeugen. Leiden Sie unter akutem Mundgeruch, rate ich Ihnen, auf tierische Produkte gänzlich zu verzichten. Diese werden von unserem Körper sauer verstoffwechselt und sorgen für ein ungünstiges Mundmilieu.