Kleinste Helfer in uns: Das Mikrobiom

Eine phantastische Welt der Mikroben lebt in uns. Der menschliche Körper besteht nämlich nur zu zehn Prozent aus wirklichen Körperzellen. Die übrigen 90 Prozent bilden in uns lebende Bakterien. Aber keine Sorge: Das ist von der Natur so beabsichtigt und für unsere Gesundheit elementar wichtig. Ohne diese Einzeller wäre unser Leben als Mensch sogar völlig unmöglich. Dennoch wurde das Mikrobiom — so nennt man diese Bakterien — in der Medizin bis vor einigen Jahren noch sehr stiefmütterlich behandelt. Vielleicht deswegen, weil es seinen Hauptsitz im Verdauungssystem hat und dieses mit vielen Tabus belegt ist. Heute erfährt es jedoch die größte Aufmerksamkeit, wenn es um die Gesundheit und das Immunsystem des Menschen geht. 

Die Forschungsergebnisse sind überwältigend und fordern deswegen höchste medizinische Beachtung. Wusstest du, dass Bakterien unter anderem für unsere Blutgruppe verantwortlich sind?

Über 1.000 unterschiedliche Bakterienstämme, die zu etwa 80 Prozent im Verdauungstrakt beherbergt sind, machen große Teile des Immunsystems aus. Sie werden von der Forschung mittlerweile als Hauptakteure betrachtet, wenn es um Krankheiten und das Ungleichgewicht von guten und schlechten Bakterien geht. Unter Naturheilkundlern ist dies längst bekannt.

Sie prägten Sätze wie “Darm gesund — Mensch gesund” oder “Der Tod sitzt im Darm”.

Dass an diesen Aussagen tatsächlich etwas dran ist, erkennt zunehmend auch die Schulmedizin: Der Darm ist tatsächlich der Ausgangspunkt vieler grassierender Zivilisationskrankheiten. 

Mir ist bereits seit 30 Jahren bewusst, dass die Veränderungen unserer Essgewohnheiten dabei eine Hauptrolle spielen. Fast Food, industriell hergestellte Fertigprodukte, Zusatzstoffe, Pflanzenschutzmittel, Schwermetalle, Bisphenole (Hormone aus Plastik) und weitere körperfremde Stoffe zerstören unsere Freunde, die guten Bakterien. 

Gleichzeitig stärken sie unsere Feinde, die schlechten Bakterien.

Neueste Ergebnisse zeigen, dass Menschen, die an Parkinson erkrankt sind, bereits seit vielen Jahren Verdauungsprobleme haben. Gleiches wurde bei Patienten, die an Depressionen und rheumatischen Erkrankungen leiden, beobachtet.

Bei einer sehr bemerkenswerten Untersuchung mit Mäusen konnte man Zusammenhänge zwischen dem Mikrobiom und Krankheiten nachweisen, die revolutionär sind. Gibt man sterilen Mäusen Darmbakterien einer an Diabetes erkrankten Maus in den Darm, entwickeln die sterilen Mäuse die gleichen Symptome, nämlich die der Zuckerkrankheit. Gleiches wurde bei übergewichtigen und normalgewichtigen Mäusen untersucht. Überträgt man einer sterilen Maus die Bakterienflora einer übergewichtigen Maus, so wird auch diese übergewichtig. Für mich sind dies eindeutige Beweise dafür, dass unser Mikrobiom im Darm ganz entscheidend zu unserer Gesundheit beiträgt. Ich bin gespannt, mit welchen Zusammenhängen uns dieses Forschungsfeld in Zukunft überraschen wird.

Weißt du, dass du die Zusammenstellung deiner Mikroben selbst bestimmen kannst? Die anerkannte Harvard University hat sich explizit mit diesem Thema beschäftigt und nachweisen können, dass unser Mikrobiom sich schon nach nur 24 Stunden verändern kann. Bei einer Ernährungsumstellung von fleischreich zu pflanzlich nahmen die Bakterien, die reparierende und entzündungshemmende Aufgaben haben, nachweislich zu. 

Damit beweist die moderne Forschung erneut, dass wir Menschen uns pflanzlich ernähren und Fleisch minimieren sollten. Denn damit ist ein langes Leben bei bester Gesundheit möglich.