Der neue Nutri-Score: Was können wir von ihm erwarten?

Abgebildet ist der farbige Nutri-Score mit einer Buchstabenskala von A bis E

Im Ernährungs-Dschungel findest du dich schon lange nicht mehr zurecht? Verständlich! Immerhin gehen die Empfehlungen zu einer gesunden Ernährung immer weiter auseinander und die Verunsicherung in der Bevölkerung steigt.

Was ist denn eigentlich gesund und woran soll ich mich orientieren? Dies sind wohl insgeheim die meistgestellten Fragen, wenn wir vor überfüllten Supermarkt-Regalen stehen.

Nährwert-Kennzeichnung als einfache Lösung?

Seit 2017 hat Frankreich eine vermeintlich plausible und einfache Lösung für die Bewertung von verarbeiteten Lebensmitteln gefunden: die Einführung des Nutri-Scores. Mit dieser Kennzeichnung soll die Nährwert-Qualität eines Produktes schnell und deutlich zu erkennen sein. Vorbei die Zeit, in der Verbraucher ewig die Nährwert-Tabelle auf der Rückseite von Verpackungen studieren muss. Auf der Vorderseite prangt nun bald eine fünfstufige Farb- und Buchstabenskala. Die farbig unterlegte Skala von A (grün) bis E (rot) soll die Verbraucher künftig zu gesünderen und bewussteren Entscheidungen bei der Wahl der Lebensmittel animieren.

Eine Verbraucherumfrage in Deutschland hat ergeben, dass sich die meisten mehr Transparenz bei dem Kauf von Produkten wünsche. Deshalb hat sich auch die deutsche Bundesregierung für das Nährwert-Logo entschieden. Dieses Jahr (2020) soll es so weit sein. Dabei ist die Entscheidung für die Kennzeichnung von Produkten mit dem Nutri-Score für die einzelnen Hersteller freiwillig. Entscheidet sich ein Konzern jedoch für die Verwendung, muss er ausnahmslos all seine Produkte mit dem Nutri-Score auf der Verpackung auszeichnen.

Einige Firmen wie Danone, Nestlé und Iglo haben den Nutri-Score bereits auf ihren Produkt-Verpackungen eingeführt. 

Wonach richtet sich der Nutri-Score?

Die Bewertungen der Lebensmittel und die Berechnung des Nutri-Scores richten sich nach gesunden und ungesunden Parametern der verarbeiteten Produkte. Als gesundheitsfördernd gelten Proteine, Ballaststoffe und Anteile von Obst, Gemüse und Nüssen. Gesundheitlich problematische Inhaltsstoffe wie Zucker, Fett und Salz sowie der allgemeine Energiegehalt eines Lebensmittels fließen zusätzlich in das Bewertungssytem ein.

Die Berechnung erfolgt durch eine Punkte-Verteilung, die die gesunden gegen die weniger gesunden Inhaltsstoffe abwägt. Die farbige Nährwert-Kennzeichnung suggeriert also, ungesunde Produkte auf den ersten Blick entlarven zu können.

 

Meine Zweifel an dieser Kennzeichnung

Doch was haben wir davon zu halten, dass ein bestimmtes Light-Getränk laut Nutri-Score mit einem “B” besser und damit gesünder bewertet wird als naturtrüber Apfelsaft? Dieser erhält aufgrund des Fruchtzucker-Gehalts nur ein mittleres “C”. 

Und was ist mit der Tiefkühl-Pizza mit Spinat, die auch ein harmloses “B” verpasst bekommt? Sind diese Produkte nun so gesund, dass wir sie ohne Probleme in unseren täglichen Speiseplan aufnehmen können? Ich zweifele stark daran!  

Unbeachtet bleiben Zusatzstoffe und die Auswirkungen tierischer Produkte. Aus der Bewertung des Nutri-Scores fallen jegliche Zusatzstoffe wie Süßungsmittel und Konservierungsstoffe komplett raus. Auch tierische Lebensmittel wie Milchprodukte werden nicht beachtet. 

Im Falle der Tiefkühl-Pizza wird argumentiert, dass der Gehalt an Spinat und Tomatensauce hoch genug sei, um den fettigen Käse auszugleichen und dadurch ein “B” zu erhalten.

Light-Getränke seien arm an Zucker, enthalten keinerlei Fett und schneiden deshalb gegenüber dem Fruchtsaft besser ab.

Doch was ist mit Aspartam und anderen E-Stoffen in den Light-Produkten? Sie haben eine enorm schädliche Wirkung auf unseren Körper. Gleiches gilt für den fettigen Käse der Pizza mit seinen artfremden Hormonen. Deren Wirkung kann auch der Spinat auf der Pizza in keinster Weise ausgleichen. 

Was kannst du selbst tun?

Dass der Bedarf an klarer Kommunikation und Aufklärung im Gesundheitssystem immer weiter wächst, bemerke ich täglich in meiner Praxis. Zu wenig Informationen und zu wenig Wissen über Gesundheit und Ernährung existieren in der breiten Bevölkerung. Dabei hat jeder das Recht auf Gesundheit.

Meiner Meinung nach braucht es keine Farbskala, denn diese ist in ihrem Bewertungssystem — zumindest bisher — zu kurz gedacht. Der einfachste Weg, volle Gesundheit zu erlangen, ist eine vollwertig pflanzliche Ernährung. Diese orientiert sich an ganzheitlichen Nahrungsmitteln und ist unabhängig von Systemen oder Bewertungen. 

Ein Apfel, eine Birne, eine Zwiebel oder eine Karotte benötigen keine Bewertungsskala. Sie sind natürliche Nahrungsmittel und damit frei von jeglichen Zusätzen. Vielmehr enthalten sie wichtige Vitamine, Mineralien und Spurenelemente — und zwar genau in der Menge, die unser Körper benötigt.

Verzichtest du weitgehend auf Fertigprodukte, benötigst du solche Schemata wie den Nutri-Score also gar nicht. Stattdessen bekommst du deinen natürlichen Instinkt für das, was dir guttut und das, was dir schadet, wieder zurück.