Volksdroge Zucker: So viel nehmen wir wirklich zu uns

Zu sehen sind Frauenhände, die mit Würfelzucker gefüllt sind

Bist du eher der herzhafte oder der süße Genussmensch? Die meisten Menschen stehen auf den süßen Geschmack, denn er löst eine angenehme und positive Empfindung aus. Süße Nahrungsmittel signalisieren uns — so hat die Evolution uns das gelehrt — energiedichte Nahrung, die unser Überleben sichert. Die heutige künstliche Süße unterschiedlichster Zuckerarten und Süßungsmittel ist jedoch nicht mit natürlicher Süße aus Beeren und anderen Obstsorten zu vergleichen, wie sie früher hauptsächlich konsumiert wurde.

Zucker ist nicht gleich Zucker

Tatsächlich geht der Körper mit den unterschiedlichen Zuckerarten anders um. Unser Organismus verstoffwechselt isolierten Zucker in stark verarbeiteten Lebensmitteln wie Süß- und Backwaren, Softdrinks, Fruchtnektaren, oder auch in Ketchup und Tomatensoßen wesentlich schneller als Zucker aus Früchten. Üblicher, industriell hergestellter Haushaltszucker geht direkt ins Blut und lässt den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen. Die Bauchspeicheldrüse reagiert sofort und schüttet jede Menge Insulin aus, um mit dem Zucker zurechtzukommen und ihn in die Zellen zu schleusen. Dieser Prozess benötigt seine Zeit, wobei überschüssiger Blutzucker in der Leber und im Gewebe in Fett umgewandelt wird. Übergewicht und Fettleibigkeit können die Folgen sein und zu schwerwiegenden Erkrankungen führen. Diabetes Typ II, kardiovaskuläre Erkrankungen und insbesondere Karies stehen in engem Zusammenhang mit einem erhöhten Zuckerkonsum.

Fruchtzucker aus ganzen Früchten wirkt jedoch ganz anders als isolierter Haushaltszucker. Die natürliche Süße kommt zusammen mit einer ordentlichen Portion Ballaststoffen, einem hohen Wassergehalt und guten Mikronährstoffen in deinem Körper an. Die Auswirkung auf die Insulinausschüttung ist deutlich geringer und der Blutzucker erhöht sich nur langsam.

Dadurch kannst du vor allem Gelüste nach Süßem wesentlich nachhaltiger stillen als beispielsweise mit einem Schokoriegel.

Wir Deutschen essen sechs Wochen puren Zucker im Jahr

Viele von uns haben keine Vorstellung davon, wie viel isolierten Zucker sie im Jahr überhaupt zu sich nehmen. Die Datenlage ist erschreckend. Der Verbrauch von Haushaltszucker liegt bei uns Deutschen bei etwa 34 kg pro Person und Jahr. Hinzu kommen fast 6 kg Zucker in Form von isoliertem Traubenzucker und Isoglukose aus Getränken. Das macht insgesamt rund 40 kg Zucker innerhalb eines Jahres pro Person. Damit du dir die Menge etwas besser vorstellen kannst: Das sind 110 g oder 36 Würfel Zucker pro Tag und damit 20 Prozent der durchschnittlichen, täglichen Energiezufuhr. Rein rechnerisch ernährt sich jeder Deutsche etwa sechs Wochen im Jahr ausschließlich von isoliertem Zucker. Teilweise liegt der Konsum sogar noch weit über diesen Werten, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. 

In meinem neuen Buch „Klartext Ernährung“, das ich gemeinsam mit Prof. Dr. Claus Leitzmann geschrieben habe, erfährst du ab Seite 326 noch mehr zu der süßen Verführung und warum leere Kalorien aus isoliertem Zucker besonders gesundheitsschädlich sind.

In dem Buch findest du außerdem viele Lebensmittelgruppen und einzelne Lebensmittel, die dir bei Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten helfen können oder diesen vorbeugen.