Obst macht dick und verursacht Diabetes!?

Ein bunter Obstsalat mit vielen verschiedenen Früchten wie Kiwi, Mango, Erdbeeren, Heidelbeeren

Muss ich auf Obst verzichten, wenn ich Gewicht verlieren möchte?

Fast jedem, der eine Gewichtsabnahme anstrebt, bereits unter Adipositas leidet oder vielleicht schon Diabetes Typ II hat, wird dazu geraten, den Fruchtzucker-Konsum deutlich einzuschränken. Insbesondere stark zuckerhaltige Obstsorten wie Bananen und Mangos oder Trockenfrüchte wie Datteln, Aprikosen und Feigen sollen die Patienten gänzlich meiden.

Leider unterschreiben viele Ärzte und auch manche Ernährungsmediziner immer noch die These von einem zu hohen Zuckergehalt in dem doch eigentlich so gesunden Obst. Doch nehmen sie kaum eine Unterscheidung zwischen dem isolierten Fruchtzucker und dem vollwertigen Obst vor.

So werfen viele den isolierten Fruchtzucker wie Agavendicksaft, Ahornsirup, Fruchtsaft, fruktosehaltigen Maissirup (High fructose corn sirup) und den zugesetzten Fruchtzucker in Softdrinks, Süßwaren und vielen anderen Lebensmitteln mit vollwertigen Obstsorten wie Äpfeln, Birnen, Bananen oder Beeren in ein- und denselben Topf.

Meiner Meinung nach handelt es sich hier um eine absolut falsche Bewertung der für uns so wichtigen Energie- und Vitalstoff-Lieferanten. Denn während in isoliertem Fruchtzucker keinerlei Ballaststoffe mehr vorhanden sind, ebenso die Vitamine, Antioxidantien und Mineralien fehlen, finden wir in ganzen Früchten reichlich wertvolle Stoffe, die bei der Verdauung und der Verstoffwechslung von Vitaminen und Mineralien eine wichtige Rolle spielen.

Was sagen Studien zu einem hohen Obstkonsum?

Auch Studien wiesen immer wieder den blutzuckerregulierenden Effekt von Früchten nach, insbesondere von unterschiedlichsten Beerensorten, die reich an Antioxidantien sind.

In den Untersuchungen wurden hierfür beispielsweise zwei Probandengruppen mit 35 g Zucker versorgt.

Während die eine Gruppe nur 35 g isolierten Zucker erhielt, bekam die Kontrollgruppe zusätzlich ein Beerenpürree von 150 g. Obwohl die Kontrollgruppe durch die pürierten Beeren also wesentlich mehr Zucker zu sich nahm als die Probanden aus der ersten Gruppe, zeigte sich bei der Kontrollgruppe ein deutlich geringerer Anstieg des Blutzuckerspiegels. ((Törrönen, R., Kolehmainen, et. al.: Postprandial glucose, insulin, and free fatty acid responses to sucrose consumend with blackcurrents and lingonberries in healthy women. Am J Clin Nutr., 96(3), 527-533.))

Bei weiteren Untersuchungen konnte dieser Effekt bestätigt werden und auch der Zusammenhang eines vollwertigen Obstkonsums mit einem reduzierten Risiko für Diabetes mellitus Typ II zeichnete sich deutlich ab. ((Muraki, I., Imamura, F., Manson, J.E. et.al.: Fruit consumption and risk of type 2 diabetes: results from three prospective longitudinal cohort studies. BMJ. 347, 5001.)) Erstaunlich, oder? 

Fettleber durch zu viel Obst? Kann das sein?

Auch ich werde häufig mit Fragen zur sogenannten Nicht-Alkoholischen-Fett-Leber (kurz: NAFLE) konfrontiert. Die Angst, diese aufgrund eines hohen Früchtekonsums zu bekommen, zeigt sich bei vielen Menschen. Glücklicherweise kann ich meine Patienten beruhigen und ihnen versichern, dass eine NAFLE nicht davon herrührt, sondern von einer langfristigen überkalorischen Ernährung. Diese führt im ersten Schritt zu einem deutlichen Gewichtsanstieg, kann zu vielen verschiedenen Erkrankungen führen, zu denen die meisten Zivilisationskrankheiten gehören und eine Fettleber begünstigen

Auch in diesem Fall rate ich meinen Patienten, den Verzehr von vollwertigem Obst unbedingt in ihre Ernährung zu integrieren und keinesfalls zu streichen. Stattdessen sollten sie jeglichen isolierten Zucker meiden. Essen wir ausreichend süßes und reifes Obst, das zusätzlich reich an Antioxidantien ist, benötigen wir keine anderen Süßigkeiten. Heißhunger-Attacken lassen sich auf diese Weise optimal und ganz ohne Reue vorbeugen. Gleichzeitig profitieren wir jedes Mal von den blutzuckerregulierenden Eigenschaften und können damit den Blutzucker sogar aktiv senken.

Was tun bei einer Fruktosemalabsorption?

Wer meint, Obst oder bestimmte Fruchtsorten nicht zu vertragen, weil er mit Durchfall, Blähungen, Bauchkrämpfen oder anderen Symptomen reagiert, sollte zunächst komplett auf isolierten Zucker verzichten: Keine Marmelade, kein Honig, kein Agavendicksaft, kein Ahornsirup und keine industriellen Zuckerarten, lautet dann mein Rat.

Der Verzehr von Früchten sollte sich dann erst einmal auf die Sorten beschränken, die gut vertragen werden. Hierzu gehören vor allem Beeren und alte Obstsorten. 

Nach ein paar Wochen können auch andere Sorten getestet werden. In den allermeisten Fällen ist nämlich auch bei einer Fruktosemalabsorption zugesetzte Fruktose in vielen Lebensmitteln das Problem, nicht aber das vollwertige Stück Obst. Auch dann sollten individuell verträgliche Obstsorten und Frucht-Mengen täglich in die Ernährung integriert werden. 

Es zeigt sich immer wieder, dass biologisch saisonal und regional angebautes Obst nur Vorteile für unseren Organismus hat. Auf die Qualität sollte man auch hier natürlich immer achten — insbesondere aufgrund des starken Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln