Machen Sie Schluss mit allen Ernährungstrends

verschiedene Gemüsesorten und Getreidearten liegen bunt verteilt auf dem Tisch

Jedes Jahr aufs Neue beobachte ich, wie ein Ernährungstrend dem nächsten folgt. Was mir dabei besonders auffällt, ist die Radikalität, mit der sie daherkommen und von ihren Vertretern angepriesen werden. Dabei liegt der Fokus jedes Mal auf einem der drei Makronährstoffe Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett, der entweder besonders stark konsumiert oder vermieden werden soll. Das Versprechen hinter der neuen Diät oder dem neuen Trend: Endlich das Wunschgewicht erreichen, ohne zu hungern. Mehr Energie, Linderung von Erkrankungen oder gar ihre Heilung.

Ich habe in den letzten Jahren jedoch eher Gegenteiliges bei Patienten beobachten können, die einem solchen Trend gefolgt sind.

Ich bekomme immer wieder Besuche, insbesondere von jungen Frauen, die solch eine Diät durchführen oder gerade hinter sich haben. Sie alle suchen meinen Rat, da sie mit den negativen Folgen kämpfen. Auffällig schlechte Blutwerte, erhöhte Leber- und Entzündungswerte oder eine anfängliche Insulinresistenz kommen dabei häufig vor. Atkins, Low-Carb, No-Carb, Paleo, Ketogen oder High-Carb – die Liste könnte lange fortgeführt werden. Sie alle verteufeln mindestens einen der drei Makronährstoffe. Dabei sind alle drei Makronährstoffe wichtig und tragen durchaus zu unserer Gesundheit bei.

Kohlenhydrate sind der einfachste Brennstoff, um Energie zu gewinnen. Jede Zelle benötigt Zucker, damit sie bestmöglich funktioniert. Auch für unsere Stoffwechselprozesse ist Zucker unabdingbar. Dies heißt nicht, dass Sie raffinierten Zucker zu sich nehmen sollten. Es geht um einen Prozentsatz von 50 bis 60 Prozent Kohlenhydrate, den Sie über den Tag verteilt zu sich nehmen sollten. Als Quellen eignen sich  vollwertige pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Vollkorn-Getreide, Pseudogetreide, Kartoffeln, Süßkartoffeln und hin und wieder Vollkornnudeln, wenn Sie mögen.

Mein Gesundheitstipp: Kochen Sie Ihre Kartoffeln und die Vollkornnudeln früh genug und lassen Sie diese abkühlen. Denn dann profitieren Sie außerdem von der resistenten Stärke, die sich während des Abkühlens bildet. Sie nährt unsere guten Darmbakterien und sorgt für eine optimale Darmflora. Wollen Sie Kartoffeln und Nudeln dennoch warm essen, dann können Sie sie wieder erwärmen — die resistente Stärke und ihre Vorteile für unsere Darmgesundheit bleiben dabei glücklicherweise erhalten.

Eiweiße sind ebenfalls unerlässlich für einen gesunden Körper. Aber auch hier kommt es auf das richtige Maß und die Wertigkeit an. Es besteht immer noch der Irrglaube, dass wir ganz besonders viel Eiweiß brauchen, um unsere Muskeln zu erhalten oder um mehr Muskeln aufbauen zu können.

Dabei bedarf es für alle Funktionen des Organismus und den Erhalt der Muskulatur lediglich 20 bis 30 Prozent Eiweiß pro Tag. Setzen Sie auch hier auf pflanzliches Eiweiß und meiden Sie Fleisch und Wurstwaren sowie Eier und Fisch. Denn bei tierischen Produkten überwiegen die schlechten Fette und wir nehmen zu viel Fett auf. Langfristig drohen Entzündungskrankheiten, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und erhöhte Fettwerte. Verzehren Sie stattdessen Hülsenfrüchte wie Kichererbsen, Linsen und Bohnensorten. Sie sind reich an hochwertigem Eiweiß, haben ausreichend Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und sie versorgen Ihren Körper zusätzlich mit Vitaminen und Mineralien.

So vermeiden Sie vor allem die Aufnahme von Arachidonsäure, die Sie mit tierischen Produkten aufnehmen würden. Die vierfach ungesättigte Fettsäure ist eine Omega-6-Fettsäure, die Entzündungen fördert. Doch damit nicht genug: Die Belastung der tierischen Lebensmittel aus der Massentierhaltung mit Antibiotika und Hormonen ist enorm.

In vielen Ernährungstrends und Diäten wird zunehmend Fett der Ernährung zugefügt. “Fett macht schlank”, “Fett macht fett” oder “Fett ist gesund” — Was ist jetzt richtig? Doch Fett ist nicht gleich Fett. Auch hier ist die Quelle und die Qualität des Fetts ganz entscheidend. Raffinierte Pflanzenöle sollten Sie nur in geringen Maßen konsumieren, während Sie Ihren Fokus auf die richtige Balance von Omega-6 zu Omega-3-Fettsäuren legen sollten. Diese erreichen Sie automatisch, wenn Sie Nüsse (ungesalzen und in Bioqualität), Samen und Avocado in Ihre Ernährung integrieren.

Vor allem für einen ausgeglichenen Hormonhaushalt und wichtige Stoffwechselvorgänge sind die richtigen Fette entscheidend.

Um gesund und glücklich zu bleiben sowie schlank und fit zu sein, bedarf es also der richtigen Kombination aller Makronährstoffe. Decken Sie die empfohlenen Mengen von 50 bis 60 Prozent Kohlenhydrate, 20 bis 30 Prozent Eiweiß und etwa 20 Prozent Fett täglich, schaffen Sie optimale Voraussetzungen dafür. Zusätzlich versorgen Sie sich auf diese Weise mit einer Fülle an Mikronährstoffen.

Sollten Sie an einer Erkrankung leiden, dann möchte ich Ihnen neben einer vollwertigen pflanzlichen Ernährung das Intervallfasten ganz besonders ans Herz legen. Aber auch für ein gesteigertes Wohlbefinden, eine bessere Verdauung und mehr Vitalität eignet sich das Intervallfasten ganz hervorragend. Wie Sie das Intervallfasten richtig anwenden, auf was Sie achten müssen und welche Vorteile es für Sie bietet, erfahren Sie auf meinem Blog und in vielen Videos auf meinem YouTube-Kanal.