Ketose: Energiesicherung in Hungerzeiten

Ein Mann sitzt gelangweilt an einem Tisch und schaut auf einen grauen Teller, auf dem nur ein noch ungeschältes Ei liegt. Er stützt seinen Kopf mit seinen Händen und starrt auf das Ei.

In der heutigen Gesellschaft finden wir ein Überangebot an Nahrung in unserer unmittelbaren Umgebung — ganz egal, wo wir uns befinden. Etwas Essbares ist immer greifbar. Dies verleitet viele Menschen dazu, ständig und fast pausenlos zu essen — auch zwischen den Mahlzeiten. Zu verlockend ist das Nahrungsangebot. Damit einher gehen die steigenden Zahlen ernährungsbedingter Erkrankungen, die sich auf die Überlastung der menschlichen Regulationssysteme zurückführen lassen. Denn unsere Verdauungsorgane — inklusive die Bauchspeicheldrüse — benötigen Ruhephasen, um ihre täglichen Aufgaben bewältigen zu können.

Überschüssige Energie speichert der Körper 

Der Körper ist permanent damit beschäftigt, die aufgenommene — in vielen Fällen überschüssige — Energie zu verarbeiten. Da aber auch die körperliche Aktivität stark abgenommen hat, hinterlässt diese Extra-Energie ihre Spuren in Form von Fettreserven an unterschiedlichen Körperregionen. Insbesondere das gefährliche Bauchfett, das Entzündungsreaktionen im gesamten Körper auslösen kann, nimmt bei den meisten zu. Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck und andere Zivilisationskrankheiten können die Folge von ständiger Überernährung sein.

Diäten — Hungern — Ketose — Essen — Jo-Jo-Effekt

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, stürzen wir uns dann in strikte Diäten. Ganz besonders beliebt sind kohlenhydratarme aber eiweißreiche Ernährungsformen. Low-Carb oder auch ketogene Diäten beruhen auf einer nahrungsinduzierten Ketose. Dieser oft angestrebte Stoffwechsel-Zustand basiert auf einem Mangel an Glukose (Energie aus Kohlenhydraten) und der Zufuhr alternativer Energiequellen.

Die Alternativen auf dem Speiseplan sind vorwiegend tierische Produkte wie Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte. Sie sind vor allem fett- und eiweißreich. Der Organismus soll aus diesen Lebensmitteln Energie herstellen und währenddessen die körpereigenen Fettreserven angreifen und vernichten

Die Abnehmwilligen haben durchaus schnelle und sichtbare Erfolge. Doch oftmals sind diese nicht besonders nachhaltig.

Der Körper verliert in der Diätphase vor allem große Mengen Wasser. Zusätzlich werden durch den geringen Anteil von Obst, Vollkornprodukten und Gemüse nur wenig Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe sowie Vitamine aufgenommen, weshalb Nahrungsergänzungsmittel direkt mit zur Diät gehören.

Kehren die Menschen nach der kohlenhydratarmen Diät zu alten Ernährungsgewohnheiten zurück und essen auch wieder Kohlenhydrate, droht in den meisten Fällen der Jo-Jo-Effekt.

Der Frust darüber lässt gleich die nächste Diät folgen.

Ketose durch Intervallfasten ankurbeln

Dass die Ketose aber tatsächlich evolutionsbiologisch beim Fasten entsteht, wissen nur wenige. Aufgrund des steten Wechsels von Nahrungszufuhr und Nahrungs-Abstinenz (Fastenphase), hat der Körper schon früh gelernt, auch in Hungerzeiten seinen Energiebedarf zu sichern. Indem er in der Fastenphase (so beispielsweise beim Intervallfasten nach der 16:8-Methode), nach nur einigen Stunden die Glukose komplett verbrannt hat, geht er anschließend an die Fettreserven, um aus ihnen Ketonkörper herzustellen. Diese verwendet er als Energie für Muskulatur und teilweise auch fürs Gehirn.

Ketose, um das Überleben zu sichern und die Art zu erhalten

Als wir Menschen noch nicht so viel Nahrung zur Verfügung hatten und es fragwürdig war, wann wir wieder etwas zu essen finden würden, konnte sich der Körper früh an den steten Wechsel von Essensphasen und Hungerzeiten anpassen. Die Ketose gilt als vorübergehender „Ersatzmechanismus“ in Notzeiten. Dies zeigt, dass der menschliche Organismus über eine bestimmte Zeit extrem anpassungsfähig ist. Beim Fasten über mehrere Stunden streben wir auch den Effekt der Energiesicherung (die Ketose) an. Allerdings sind Ketonkörper als dauerhafte Energielieferanten genetisch nicht vorhergesehen. Deshalb eignet sich das Fasten im Intervall perfekt. Du profitierst von der Fettverbrennung in der Fastenphase und regst gleichzeitig noch die Selbstheilungskräfte deines Körpers an. In der Essensphase versorgst du ihn dann mit allen Nährstoffen, die er benötigt.

Mit dem Intervallfasten kann es auch dir gelingen, wieder zwischen Hunger und Sättigung unterscheiden zu können und dem permanenten Essensdrang zu widerstehen. Hast du den Dreh einmal raus, wirst du merken, dass es nicht besonders kompliziert ist. In meinem Buch „Klartext Ernährung“, das ich gemeinsam mit Prof. Dr. Claus Leitzmann geschrieben habe, findest du noch viel mehr Tipps und Wissenswertes rund um das Intervallfasten. Erfahre außerdem, was wir von den verschiedenen Diäten halten und warum eine pflanzenbasierte Ernährung vielen Erkrankungen vorbeugt und sie sogar heilen kann.