Gibt es noch Hoffnung?

Die Erdkugel als Modell in den Händen eines Menschen, die zusammen ein Herz formen und die Erdkugel umschließen

Für mich zeigt sich immer klarer, dass die Gesundheit der Menschen mit derjenigen des Planeten eng verknüpft ist. Einer dieser Zusammenhänge hat besonders viel mit meinem Spezialgebiet, der Ernährungsmedizin, zu tun — der ausgeuferte Fleischkonsum. Lag er im Jahr 1961 weltweit noch bei 70 Millionen Tonnen, stieg er bis 2011 auf rund 283 Millionen pro Jahr an! 

Die drohende Klimakatastrophe wird zum großen Teil von den “Abgasen” der Rinder, dem Methan, mit verursacht. Die Regenwälder werden vernichtet, um immer mehr Weidefläche für immer mehr Rinder zu schaffen. Aufgrund der steigenden Burger-Nachfrage werden Rinder gezüchtet, die Ackerfläche beanspruchen. Auf diesen Weideflächen wird Rinderfutter angebaut, das die Rinder für Wachstum benötigen.

Zusätzlich dezimiert dieser Soja- und Maisanbau für die Rinder die Ackerfläche für unsere pflanzlichen Lebensmittel. Unser Trinkwasser wird dadurch auch immer knapper, da für die Produktion von 1 kg Rindfleisch unglaubliche 15.000 Liter Wasser benötigt werden. Gleichzeitig verschmutzen die Gülle, die verfütterten Antibiotika sowie künstliche Düngemittel unser Trinkwasser. Fragen drängen sich auf: Könnte die Panik und die unermessliche Angst der Tiere, die mit all dem Adrenalin und anderen biochemischen Reaktionsstoffen im Blut geschlachtet werden, eine Erklärung dafür sein, dass Boxer vor dem Kampf ihre Steaks “rare” essen, um aggressiver zu sein? Und könnte es ganzen Gesellschaften mit einem hohen Fleischverzehr ähnlich gehen? 

Ich sehe seit vielen Jahren Menschen, die zu hohe Fleischmengen konsumieren und viel zu oft krank werden und leiden wie die Tiere, die für dieses Fleisch ihr Leben lassen. Ebenso leidet aber auch unser Planet Erde unter der hohen Fleischproduktion, dessen Bewohner immer mehr bedroht werden. Vielleicht denken Sie nun, ich würde übertreiben? Möglicherweise fällt es Ihnen dann leichter, diese Gefahr für uns alle ernster zu nehmen, wenn Sie wissen, dass nicht nur ich darüber berichte. Haben Sie beispielsweise in den ARD-Tagesthemen vor einigen Tagen verfolgt, dass der UN-Biodiversitäts-Konferenz ein absolut düsteres Szenario zeichnete und vor einem sechsten globalen Artensterben warnte — das größte und zugleich das erste von Menschenhand verursachte Sterben.

Das Ergebnis der globalen Bestandsaufnahme: Etwa 1 Million von 8 Millionen Tier- und Pflanzenarten sind bedroht. 

Machen Sie sich bitte bewusst, dass diese verheerende Naturkatastrophe nicht durch einen Asteroiden oder einen Polsprung ausgelöst wird, sondern durch die Eingriffe des Menschen in die Natur!

Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass es in unserer Hand liegt, diesen Planeten zu bewahren und wert zuschätzen. Lassen Sie mich ein Beispiel nennen: Laut ARD gibt es bereits 80 Prozent der Insekten schon jetzt nicht mehr. Ohne Insekten bricht aber unser Ökosystem zusammen und somit wird auch uns die Lebensgrundlage entzogen.

Doch trotz aller Alarmsignale machen wir weiter wie bisher. Weder die Politik und die Wirtschaft noch wir selbst scheinen dazu in der Lage zu sein, unsere Gewohnheiten zu verändern, die Chance, die es jetzt noch gibt, zu nutzen. Ist uns diese Entwicklung gleichgültig, weil wir hoffen, dass wir in unserer Lebenszeit gerade noch die Kurve kriegen, bevor unsere Erde kollabiert?

Ein großes Dankeschön geht an unsere Kinder, die jetzt beginnen, auf die Barrikaden zu gehen. Aber was machen wir? Vergessen Sie nicht: Ein Kilogramm Fleisch verursacht den gleichen Klimaschaden wie eine Autofahrt von 250 km — von der Wirkung auf unsere Gesundheit ganz zu schweigen.