Fruchtzucker-Unverträglichkeit: Steckt diese Intoleranz hinter deinem Reizdarm?

Früchte wie Apfel, Trauben, Kiwi, Orange liegen nah beieinander. In einem Schälchen mit weißem, isoliertem Zucker liegt eine Erdbeere. Ein Schild mit der Aufschrift Fruktose hängt am Stil des Apfels.

Fruchtig, süß und zugleich erfrischend sind nahezu alle Obstsorten. Ganz besonders an heißen Sommertagen erfreuen wir uns an den leckeren Früchten. Dabei bieten sich Bananen, Äpfel, Birnen, Beeren und viele andere Sorten als erste Mahlzeit des Tages oder als Snack zwischendurch perfekt an. Doch immer mehr Menschen haben nach dem Verzehr von Obst Probleme mit dem Magen und der Verdauung. Symptome wie kolikartige Unterleibsschmerzen, Blähungen, Völlegefühl und anhaltender Durchfall sind nicht selten.

Häufig leiden die Betroffenen lange Zeit unter den Beschwerden und können die Anzeichen nicht richtig einordnen. Das Problem dabei: Wir nehmen über den Tag verteilt so viele verschiedene Nahrungsmittel zu uns, dass wir die Ursache des Übels kaum selbst aufdecken können.

Ausschluss-Verfahren, um die Ursache zu finden

In solchen Fällen empfehle ich meinen Patienten zunächst eine Diät, die einzelne allergene Substanzen für einen längeren Zeitraum ausschließt. Dies kannst du beispielsweise mit Gluten, Laktose und Fruktose testen. Lasse dafür diejenigen Lebensmittel aus deiner täglichen Nahrung für mindestens vier Wochen weg, die diese allergenen Stoffe enthalten. Suche dir dafür jedoch immer nur ein Allergen aus und beobachte, wie dein Körper reagiert.

Verwertbarkeits-Grenze von Fruchtzucker und Fruktosemalabsorption

Hast du den Auslöser für deine gesundheitlichen Probleme gefunden, baue nach der Abstinenz nur allmählich wieder Nahrungsmittel mit dem problematischen Stoff in deine Ernährung ein. Bei einer Fruktose-Intoleranz handelt es sich meist „nur” um das Überschreiten deiner Verwertbarkeits-Grenze von Fruchtzucker. Die liegt bei jedem Menschen unterschiedlich hoch, sodass die einen wesentlich mehr Fruktose vertragen als die anderen. 

Überschreitest du deine persönliche Grenze der Verwertbarkeit, verdaust du Fruchtzucker nicht mehr richtig und es kommt zu einer einer Fruktosemalabsorption. Hierbei nimmt dein Dünndarm die Fruktose nicht auf und sie gelangt unverdaut in den Dickdarm. Dort wird sie dann von Bakterien zersetzt, wobei Wasserstoff entsteht. Ein relativ verlässlicher Test beim Arzt ist deshalb der sogenannte Wasserstoff-Atemtest. Er gibt einen Hinweis darauf, ob du an einer Fruktose-Malabsorption leidest oder nicht.

Dir geht es nach dem Ausschluss-Verfahren besser und der Verdacht liegt nahe, dass die Fruktose an deinen Beschwerden schuld ist?

Dann ist deine größte Sorge vielleicht, dass du nie wieder Obst essen kannst. Hier kann ich dich beruhigen. Schauen wir uns die Ursachen einer Unverträglichkeit an, wirst du nämlich feststellen, dass es nicht die Fruktose im naturbelassenen Obst ist, die dir Probleme bereitet

Ursachen für Fruktose-Unverträglichkeit

Die Zunahme der Fruktose-Unverträglichkeit oder einer Malabsorption liegt heutzutage nicht am Obstverzehr selbst, sondern an der Verwendung von isoliertem Fruchtzucker. Dieser findet sich in fast jedem Fertigprodukt und wird im Gegensatz zu raffiniertem Zucker immer noch als gesünder angepriesen. Die Industrie setzt Fruktose in den letzten Jahrzehnten an Stelle von weißem Zucker bei vielen Lebensmitteln ein. Sie soll den Blutzuckerspiegel weniger stark ansteigen lassen und sich deshalb besser für Diabetiker eignen – ein Trugschluss. Denn obwohl Fruchtzucker aus Früchten stammt, ist er stark verarbeitet.

Ballaststoffe, Vitamine, Mineralien und sekundäre Pflanzenstoffe, von denen unser Körper beim reinen Obstverzehr so profitiert, sind in reiner Fruktose (wie im Fruktosesirup) nicht enthalten. Ganz weit oben auf der Liste der fruktosehaltigen Lebensmittel stehen übrigens Ahornsirup und Agavendicksaft. Sie genossen bisher auch einen gesünderen Ruf als andere Zuckerarten.

Der extrahierte Zucker hat jedoch keinerlei positive Effekte auf unseren Organismus. Ganz im Gegenteil: Er steht unter Verdacht, das Risiko für eine Fettleber und Diabetes Typ II zu erhöhen und begünstigt Übergewicht. Seit 2009 rät auch das Bundesinstitut für Risikobewertung davon ab, Produkte mit Fruchtzucker zu konsumieren.

Ich bin vegan und ernähre mich gesund: Dennoch habe ich Probleme damit

Auch wenn du dich bewusst gesund und rein pflanzlich ernährst, können Probleme mit der Verdauung oder einzelnen Lebensmitteln auftreten und lange anhalten. Wichtig ist, dass du dran bleibst und versuchst, die Ursache aufzudecken. Das ist nicht immer einfach. So enthalten beispielsweise viele vegane Ersatzprodukte Fruktose, in denen du diese vielleicht gar nicht vermutest. Schaue auch hier genauer hin und setze dich vermehrt mit den Inhaltsstoffen auf den Etiketten auseinander. Bevorzuge naturbelassene Nahrungsmittel und verzichte komplett auf zugesetzten Zucker, unabhängig von der Art des Zuckers.

Tipps für den richtigen Obst-Verzehr

Obstsorten mit einem niedrigen Fruchtzucker-Gehalt, zum Beispiel alle Beerensorten, kannst du nach der Ausschluss-Phase langsam wieder in deinen Speiseplan integrieren. Ich rate zusätzlich dazu, Obst immer isoliert zu verzehren. Dies wird oftmals besser vertragen als Früchte in Kombination mit Getreide oder Joghurt.

Obst als Dessert ist übrigens keine gute Idee: Da Früchte einen hohen Wasseranteil enthalten, verarbeitet dein Körper sie wesentlich schneller. Hast du vorher eine stärkehaltige Mahlzeit wie beispielsweise Reis oder Kartoffeln mit Gemüse gegessen und isst anschließend Äpfel, Birnen oder andere Früchte, kommen die einzelnen Mahlzeiten durcheinander. Das Obst möchte sich nach vorne drängen, was zu Gärungsprozessen und schließlich zu Verdauungsproblemen führt. 

Solltest du nach diesen Tipps weiterhin an den beschriebenen Problemen leiden, wende dich am besten an einen ganzheitlichen Arzt. Er kann in diesem Fall einige Tests bei dir durchführen und dich umfangreich beraten. Nimm deine Beschwerden ernst und kümmere dich gut um deine Gesundheit. Andernfalls könnten aufgrund lang anhaltenden Durchfalls beispielsweise zu viele Mikronährstoffe ausgeschieden werden. Diese Mängel können deinen Körper zusätzlich schwächen und zu weiteren Funktionseinschränkungen führen