Ernährungstrends und die Grenzen der Selbstoptimierung

Zu sehen ist eine junge Frau, die ihr Essen, die Weizennudel auf der Gabel kritisch beäugt und hinterfragt, ob es gesund ist, diese zu essen
Wechselbeziehung Ernährung und Gesundheit

Diejenigen von Ihnen, die mich kennen und mir auf meinen Social-Media-Kanälen folgen, wissen, dass mir eine gesunde Ernährungsweise besonders am Herzen liegt. Als Ernährungsmedizinerin seit nunmehr 30 Jahren, bemerke ich immer wieder, welch großen Einfluss die Ernährung auf unsere Gesundheit und eine rundum glückliche Lebensweise haben kann. Ich konnte erfahren, wie sich viele Betroffene mit einer Ernährungsumstellung selbst bei der Genesung halfen. Zudem erlebe ich weiterhin, wie man vielen modernen Zivilisationskrankheiten wie Allergien, Diabetes oder Bluthochdruck vorbeugen kann. Eines ist mir dabei jedoch wichtig: Es sollte Ihnen besser und nicht schlechter gehen als bisher!

Ernährungstrends und Optimierungswahn?

Es freut mich, dass sich vor allem die jüngere Generation immer mehr mit ihrer Gesundheit und ihrem Lebensstil auseinandersetzt. Doch auf jede Strömung folgt auch immer eine Gegenbewegung. Auch ich stoße hin und wieder auf Gegenwehr. Ernährung ist und bleibt nun mal ein Thema, das immer rege Diskussionen entfachen wird! Die Motivation vor allem in Zeiten des Überflusses vermehrt auf die Ernährung zu achten, liegt meines Erachtens nahe. Unsere Lebensmittel — insbesondere die Produkte aus den Supermärkten — durchlaufen größtenteils massive Verarbeitungsverfahren. Dadurch werden sie zwar haltbarer und für den Kunden attraktiver  erscheinen, verlieren jedoch in vielen Fällen an Natürlichkeit in Form der wertvollen Inhaltsstoffe. Darüber ist der Verbraucher oftmals nicht ausreichend informiert, sodass das Verständnis für natürliche Lebensmittel schnell abhanden kommt.  

 

Eine Frau mit langen rötlich, blonden Haaren steht fragend vor einem vollen Supermarktregal und überlegt, was sie kaufen könnte

Es scheint als hätten wir immer weniger Kontrolle über das, was wir zu uns nehmen. Zu verwirrend sind die Kennzeichnungen auf Lebensmitteln und das, was sich tatsächlich dahinter verbirgt. Daran beteiligt sind insbesondere große Konzerne und Supermarkt-Ketten, die darüber entscheiden, was für den Kunden attraktiv sein könnte und ihn somit zum Kauf anregt. 

Gerne werden hier die rechtlichen Schlupflöcher genutzt. Somit sind die Regale voll von Lebensmitteln, die viele Menschen täglich dazu verlocken, nicht nur ungesunde Produkte zu kaufen, sondern auch über die Stränge zu schlagen.

Um von industriell stark verarbeiteten Produkten und Lebensmitteln Abstand zu nehmen und wieder mehr auf ihre natürliche Form zurückzugreifen — und damit meine ich biologisch angebaute, vollwertige Lebensmittel und ihre schonende Zu- bzw. Verarbeitung — entwickeln sich ständig neue “Ernährungstrends”, die ein Optimum an Gesundheit und Vitalität versprechen — oftmals sogar den Traumkörper, den man sich so lange ersehnt hat.

Ob Paleo, Clean Eating oder Vegan — neuerdings gibt es sogar eine Mischung aus Paleo und Vegan, die sich “Pegan” nennt, die aber im Prinzip der mediterranen Kost mit viel Obst, Gemüse, etwas Fisch und Fleisch gleicht –, man verliert schnell den Überblick über all die verschiedenen Ernährungssysteme und Ratgeber. 

Gerade im Frühjahr gibt es immer wieder neue Trends aus dem Ernährungssektor, die in etlichen Zeitschriften und dem Internet beim Kunden Anklang finden und gleich getestet werden. Meist entpuppen sie sich jedoch als neue Crash-Diäten, auf deren “Hungerzeit” der nächste Jo-Jo-Effekt folgt.

Nur dauerhafte Ernährungsumstellungen haben auch langfristige Effekte auf Körper und Gesundheit

Ich bin keine Verfechterin einer bestimmten oder gar strengen Ernährungsform. Im Vordergrund sollte eine Ernährungsweise stehen, die Ihnen zuträglich ist. Das heißt, eine Ernährung, die:

  • abwechslungsreich,
  • vollwertig und
  • aus ganzheitlichen Lebensmitteln besteht.

Dabei sollte es Ihnen mit der Zeit leicht fallen, sie so in Ihren Alltag zu integrieren, dass Sie diese langfristig — im besten Falle Ihr gesamtes Leben — beibehalten können.

Ich bekomme vermehrt Fragen, ob Intervallfasten oder eine hauptsächlich pflanzliche Lebensweise für jeden Menschen geeignet sei. Aufgrund meiner jahrelangen Erfahrung und dem Wissen der Ernährungsmedizin kann ich dies nur bejahen.

Befreien Sie sich von starren Regelsystemen und hinterfragen Sie sich und Ihre Motivation — die Ernährung sollte Sie nicht überfordern

Beachten Sie einige Aspekte für sich, wenn Sie eine neue Ernährungsweise ausprobieren oder praktizieren wollen. Auch wenn ich es für wichtig erachte, sich eingehend mit dem Thema Ernährung und Gesundheit auseinanderzusetzen, sollten Sie sich selbst hinterfragen. 

Es sollte nicht um Lebensmittel-Gruppen gehen, die Sie als gut und böse kategorisieren. Erlegen Sie sich keine Verbote auf und lösen Sie sich von einem starren Regelsystem beziehungsweise legen Sie sich ein solches gar nicht erst an — das setzt Sie unnötig unter Druck. Treffen Sie stattdessen bewusste Entscheidungen. 

Essen soll gesund, aber auch genussvoll sein. Das heißt nicht, dass Sie mit Ihren Gewohnheiten weitermachen wie bisher, sondern sich Ihre Ziele immer vor Augen halten und stetig verfolgen. Dies sollte Schritt für Schritt geschehen.

Dabei müssen Sie sich auch nicht in das “soziale Aus” Ihres Freundeskreises oder der Familie katapultieren. Haben Sie die für sich geeignete Ernährung gefunden, wird es mit der Zeit immer einfacher für Sie, damit umzugehen. Dann müssen Sie niemanden überzeugen und schon gar nicht sich selbst! Dann benötigen Sie kein starres Regelsystem und keine übermäßige Zeit, um Ihre Mahlzeiten zu planen. 

Muss es denn gleich Intervallfasten und eine vegane Ernährung sein?

Nein, das muss es natürlich nicht. Dennoch kenne ich bisher keine Ernährungsweise, die Ihnen vergleichsweise so viele Freiheiten lässt und mit der Sie sich trotzdem energiegeladen und fit fühlen können. Oder ist Ihnen eine Ernährung bekannt, bei der Sie genüsslich essen, Ihrem Körper damit etwas Gutes tun und ihm die Zeit gewähren, die er für Selbstheilungsprozesse benötigt? Beim Intervallfasten brauchen Sie keine Cheatdays und auch keine aufwendigen Rezepte, für die Sie viele verschiedene oder gar teure Zutaten benötigen. Gönnen Sie Ihrem Körper einfach eine Pause von 16 Stunden und ernähren Sie sich in dem Essenszeitraum von vollwertigen, pflanzlichen Lebensmitteln. Und in dem Fastenzeitraum müssen Sie sich zudem keinerlei Gedanken um die Nahrungsmittelzubereitung machen.