Die Brennnessel: Heilende Wirkung und Anwendungsgebiete

Für viele gilt die Brennnessel, in der Fachsprache Urtica dioica genannt, als wucherndes Unkraut.Kenner der Naturheilkunde schätzen sie jedoch als absolutes Superfood.

Heutzutage findet man die Brennnessel überall dort, wo nährstoff- und stickstoffreiche Böden vorhanden sind. Sie gilt als wahrer Stickstoff-Anzeiger und macht sich insbesondere am Waldrand oder in Parks, aber auch in der Nähe von Sümpfen, Teichen und Flüssen breit. Mit ihren Blättern ist wohl jeder, ob als Kind oder Erwachsener, schon einmal in Berührung gekommen. Der charakteristische, brennende Schmerz und die schmerzhafte Erfahrung rührt von den großen Blättern der Brennnessel. Denn auf deren Oberfläche siedeln sich kleinste Brennhaare an, die aus Kieselsäure bestehen und eine brennende Substanz, die Ameisensäure, enthalten.

Kommt man mit den Brennhaaren in Berührung, geben sie diese Stoffe unmittelbar an ihre Umgebung ab. Ganz schön klug, denn die Ameisensäure soll vor Fressfeinden schützen beziehungsweise Schädlinge fernhalten.
Unsere Haut bildet als Reaktion darauf weiße oder rote Quaddeln, die ziemlich brennen können. Diese klingen für gewöhnlich nach wenigen Minuten von selbst wieder ab. Dennoch bleibt die Pflanze den meisten in schlechter Erinnerung.

Nährstoffdichte und Einsatzgebiet der Heilpflanze

Wenn man jedoch mit der Pflanze umzugehen weiß und ihr Nährstoffprofil kennt, kann sie wunderbar gegen Erkrankungen eingesetzt werden. Bereits im Mittelalter wussten Heilkundler um ihre positive Wirkung auf den menschlichen Organismus.

Ließ man sich früher noch mit den Pflanzen auspeitschen — dies sollte gegen Rheuma und Gelenkschmerzen helfen — trinkt man heute lieber frisch aufgebrühten Brennnesseltee oder nimmt die wertvollen Inhaltsstoffe in Form einer Kapsel ein. 

Verarbeitet werden vor allem die Blätter und die Wurzeln der Brennnessel,

wobei in den verschiedenen Pflanzenteilen unterschiedliche Nährstoffe enthalten sind. So stecken in den Blättern Flavonoide — das sind sekundäre Pflanzenstoffe –, denen man besonders eine antioxidative Heilwirkung zuschreibt. Rutin ist einer von ihnen und soll die Zellwände stärken und Entzündungen hemmen. Doch vor allem die Vitamine C, B und K sowie die Mineralstoffe Kalium, Calcium und Kieselsäure machen ihr exzellentes Nährstoff-Profil aus.

Aufgrund der harntreibenden Wirkung ist der Einsatz ausgekochter Brennnesselblätter besonders bei Harnwegsinfektionen oder Blasenentzündungen empfehlenswert.

Einsatzgebiet der Brennnesselwurzeln

Die Wirkung der Brennnesselwurzeln hingegen lässt sich auf die pflanzlichen Hormone — Phytohormone oder Phytosterole (Steroide) — zurückführen. Bei Prostata-Adenomen mit Schmerzen beim Wasserlassen können sie Abhilfe schaffen. Dabei greift beta-Sitosterol als Inhaltsstoff in den Kreislauf von Enzymen ein, die Entzündungsreaktionen verursachen, und hemmt somit ihre Wirkung. Dies verhindert vermehrte Wassereinlagerungen und mindert den Druck auf die Prostata. Auch das Einsatzgebiet der Brennnesselwurzel ist vielfältig, wobei die Wirkung bei Erkrankungen wie Gicht, Rheuma, Nesselsucht oder Hautkrankheiten wissenschaftlich noch nicht untersucht ist.

In einigen wissenschaftlichen Studien wurde jedoch die Verwendung der Brennnessel bei der Behandlung von Prostatakrebs und Brustkrebs diskutiert und ihr positiver Einfluss auf die Krebszellen bereits bestätigt.

Es bleibt abzuwarten, inwieweit mit der Brennnessel als Heilpflanze bei unterschiedlichen Krankheiten positive Effekte erzielt werden können. In der Zwischenzeit machst du mit ein bis zwei Tassen frisch aufgebrühtem Brennnesseltee pro Tag oder ein paar Blättern im Smoothie sicher nichts falsch. Ganz im Gegenteil.