Lipödem: Eine schmerzhafte Diagnose

geschwollene, dicke Frauenbeine aufgrund eines Lipödems

Sie betrifft fast nur die Frau. Die Erkrankung “Lipödem”, umgangssprachlich als “Reiterhosen” bekannt, kann schon im ersten Stadium betroffene Frauen in seelische Krisen stürzen. Denn während die Idealvorstellung von Schönheit in unserer Gesellschaft lange, schlanke Beine sind, wissen diese Frauen, dass dieses Traumbild für sie nicht erreichbar ist. Wenn es schlecht läuft, sind neben den Beinen auch die Arme betroffen.

Doch was geschieht beim Lipödem?

Man nimmt an, dass die Kapillargefäße zu durchlässig werden und dies zu einer vermehrten Abgabe von Eiweiß, Fett, Wasser und anderen Stoffen ins Gewebe führt.

Normalerweise nimmt das Lymphsystem dieses Zuviel an Stoffen auf und transportiert es aus dem Gewebe wieder ab.

Unsere Lymphe fungieren somit als Filter- und Reinigungsanlage für unseren gesamten Körper. Beim Lipödem ist dies zumindest an den Oberschenkeln oder auch an den Oberarmen teilweise außer Kraft gesetzt. Die Flüssigkeiten lagern sich im Gewebe ab, sodass Beine und Arme in kurzer Zeit an Umfang zunehmen können.

Symptome und Anzeichen eines Lipödems

Erste Anzeichen für diese ernstzunehmende Erkrankung — die nicht nur ein kosmetisches Problem für Frauen darstellt — sind, Schwellungen in Beinen und Armen, die mit Spannungsgefühlen und Schmerzen in den Gliedern einhergehen. Insbesondere nach längeren Phasen des Sitzens oder Stehens treten Erschöpfungszustände in den Beinen auf. Die Schmerzen nehmen meist im Laufe des Tages deutlich zu.

Gerade an wärmeren Tagen, so im Sommer, leiden die Frauen an dem Schwellungsgefühl. Spannungs- und Druckempfindlichkeiten sind aufgrund der Flüssigkeitsansammlung im Gewebe typisch. Die Betroffenen neigen vermehrt zur Bildung von Hämatomen (blauen Flecken). 

Die Gründe der Erkrankung sind noch unbekannt. Auffällig ist jedoch, dass das Lipödem meist mit einer veränderten Hormonlage zu tun haben könnte. Es scheint Zusammenhänge zu unterschiedlichen Lebensphasen wie der Pubertät, einer Schwangerschaft oder den Wechseljahren zu geben. Das Risiko, an dieser Stoffwechselstörung zu erkranken ist bei übergewichtigen Frauen ebenfalls erhöht.

Mir ist aufgefallen, dass dieses Krankheitsbild in den letzten 35 Jahren meiner ärztlichen Tätigkeit immer häufiger in Erscheinung getreten ist.

Dabei konnte ich feststellen, dass parallel dazu Veränderungen in der Lebensweise der allgemeinen Bevölkerung stattgefunden haben. Die Zahl der übergewichtigen Menschen nimmt immer mehr zu, während die körperliche Bewegung zugleich drastisch abnimmt.

Jede zweite Frau zwischen 18 und 45 Jahren nimmt die Anti-Baby-Pille.

Hinzu kommt, dass verstärkt Fertigprodukte, Fast Food und immer mehr tierische Lebensmittel auf dem täglichen Speiseplan der meisten Menschen stehen.

Das können Betroffene mit Lipödem selbst tun

Aber verzweifeln Sie bei einem Lipödem nicht. Sie als Betroffene können viel tun, um ein Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten und auch wieder Form in Ihre Beine und Arme zu bringen. Nehmen Sie etwa die Pille oder andere synthetische Hormone ein, sollten Sie diese unverzüglich absetzen. Sie werden erstaunt sein, wie schnell Sie die ersten Kilos verlieren. Denn die Pille und andere Medikamente binden oftmals Wasser. Lassen Sie Ihren Hormonspiegel messen und bringen Sie ihn wieder in Balance. Aktivieren Sie die Durchblutung Ihres Körpers mit Wechselduschen und Bürstenmassagen. Stellen Sie Ihre Ernährung auf basenbetonte und vollwertige Pflanzenkost um. Achten Sie hierbei auf einen möglichst hohen Frischkost-Anteil und minimieren Sie unbedingt Ihren Salzkonsum. 

Bewegung als wesentlicher Faktor der Eigenbehandlung

Ein ganz ausschlaggebender Faktor in Richtung Genesung und Besserung Ihres Krankheitsbildes ist die Bewegung. Ihre Muskeln haben einen sehr hohen Anteil an der Pumpfunktion, um Blut aber auch Lymph-Flüssigkeit aus den Beinen und Armen abzutransportieren. Steigern Sie das Strömen dieser Flüssigkeiten, indem Sie täglich gezielt möglichst lange Intervalle an Anspannungen in die gedehnten Muskeln Ihrer Beine trainieren.

Beginnen Sie, zu walken, laufen, radeln oder schwimmen, auch wenn es anfangs sehr schwer fällt. Bleiben Sie in Bewegung. Massieren Sie zusätzlich mit der Faszien-Rolle Ihre Beine, indem Sie sie in Richtung Herz langsam und intensiv rollen.

So fördern Sie den Abtransport von Abfallstoffen und führen Ihrem Gewebe neue Nährstoffe zu.

Bleiben Sie auf Ihrer persönlichen Schmerzskala bei einem Wohlfühlschmerz, der unter zehn liegen sollte. Machen Sie dies zu Ihrer täglichen Routine und fotografieren Sie Ihre Fortschritte einmal monatlich, um immer wieder Kraft zu schöpfen und sich zu motivieren.