Die “Sportlerfalle”

Eine Läuferin sitzt auf dem Boden und hält sich schmerzverzerrt ihren Fuß

Ich habe oft über unsere Erfahrung und Forschung zur Entstehung von Schmerzen und deren echte “Heilung” geschrieben. Dabei stand in puncto Schmerzentstehung immer unsere moderne Lebensweise im Vordergrund.

Diese führt nämlich dazu, dass Muskeln und Faszien immer höhere Spannungen erzeugen. Die daraus resultierenden zu hohen Druckkräfte in den Gelenken und der Wirbelsäule drohen, unsere Knorpel und Menisken zu schädigen. Unser Körper hat ein ausgeklügeltes System entwickelt, das uns in solchen Fällen warnt. Er schaltet sogenannte Alarmschmerzen, um starke Schädigungen zu verhindern — oder falls diese schon eingetreten sind, Folgeschäden zu vermeiden.

Eine Frau sitzt gähnend an ihrem Schreibtisch vor dem PC und reibt sich ihr Gesicht.

Aber warum können völlig unsportliche Menschen, die zu viel sitzen und sich kaum bewegen, exakt die gleichen Schmerzen entwickeln, wie sportlich sehr aktive Menschen? Das kann doch eigentlich nicht sein.

Der Körper des Inaktiven entwickelt sich doch anders als der des Sportlers oder gar des Leistungssportlers, oder etwa nicht?

“Sport ist Mord”?

Die Realität zeigt jedoch nicht nur, dass beide Gruppen oft die gleichen Schmerzen haben, sondern darüber hinaus, dass die Beschwerden umso stärker ausfallen, je mehr Sport betrieben wird. Ist “Sport doch Mord”?

Und was bedeutet es, dass es die Sportlerleiste, das Joggerschienbein, das Läuferknie, oder den Tennis- und Golferellenbogen gibt? Beweist das nicht, dass Sport zwangsläufig zu Schmerzen führt? 

Zu hohe Spannungen der Muskulatur als Ursache von Schmerzen

Die Hauptursache der zu hohen Spannungen ist der unzureichende Gebrauch aller Gelenkwinkel. Wenn ich den Ellenbogen nicht mehr regelmäßig bis zum Anschlag strecke oder beuge, dann verfilzen die Faszien und Kontraktionen der Muskeln. Diese Programme werden nicht mehr gelöscht. Da die Menschen im Alltag durchschnittlich nur noch etwa 10 Prozent (!!!) der von Natur aus möglichen Gelenkwinkel nutzen, ist die Schmerz-Entstehung bei der unsportlichen Gruppe klar nachvollziehbar. 

Doch was ist mit der Sportlergruppe? Sportler trainieren natürlich sehr spezifisch, denn sie möchten ihren Sport ja bestmöglich praktizieren. Die Läufer rennen, die Fußballer schießen, die Handballer werfen, die Tennisspieler schlagen ihre Bälle und die Golfer schwingen ihre Schläger. Sportler führen vor allem die Bewegungen aus, die zu ihrem Sport gehören. Je besser sie sein wollen, umso mehr trainieren sie. Dabei üben sie immer sportartspezifisch immer dieselben einseitigen Bewegungen aus. Sind sie Leistungs- und Profisportler mit großen Ambitionen, dann wird es noch extremer. 

Zwei Läufer laufen schnell im Stadion

Je nach Trainingsintensität entstehen bei Sportlern dadurch die gleichen oder eben noch höhere Spannungen, Schmerzen und Verletzungen wie bei sportlich Untätigen. Dies nenne ich die “Sportlerfalle”.

Was ist die Lösung und wie kann man der Falle ausweichen? 

Die Ursache dieser Fehlentwicklungen ist, dass Menschen eigentlich auch für “unspezielle” Bewegungsmuster “konstruiert” sind. Wir sollten also nach Möglichkeit dafür sorgen, dass wir regelmäßig alle Arten von Bewegungs- und Gelenkwinkeln einnehmen.

Treiben wir Sport, nutzen wir insbesondere die sportartspezifischen Bewegungsmuster und lassen andere Bewegungsradien dafür weg. Ergänzt man also diese eingeschränkten Bewegungsmuster durch gezielte Nutzung der fehlenden Winkel — beispielsweise mit den passenden Engpassdehnungen — verschwinden die Schmerzen. Die Folge: Beweglichkeit und Leistungsfähigkeit steigen, während gleichzeitig die Verletzungsanfälligkeit rapide sinkt.