Die heilende Kraft der Myokine

Frau sitzt in Sportklamotten neben einer Hantel auf dem Boden und ruht sich zwischen den Trainingssequenzen aus

Sportliche Betätigung, daran besteht kein Zweifel, wirkt sich positiv auf unseren Körper und unser allgemeines Wohlbefinden aus. Regelmäßig und intensiv sollte das Training sein. Empfohlen wird, im Durchschnitt mindestens drei- bis viermal pro Woche eine halbe Stunde aktiv zu sein. Dies stärkt nicht nur die Muskulatur, sondern hat auch einen nachweisbaren Effekt auf das Immunsystem sowie das Herz-Kreislauf-System. Jede Ausdauereinheit, etwa beim Laufen, Schwimmen oder Fahrradfahren, fordert insbesondere die Herzmuskulatur. Bewegen wir uns also regelmäßig, wird der Herzmuskel kräftiger und kann bei jedem Herzschlag mehr Blut in den Kreislauf pumpen. Auf diese Weise benötigt der Körper weniger Herzschläge bei der gleichen Menge Blut, die in unserem Körper zirkuliert. Die Herzfrequenz ist niedriger, die Durchblutung aber dennoch optimiert. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Die Blutgefäße bleiben flexibel; Schadstoffe oder andere Ablagerungen haben kaum eine Chance, die Gefäßen zu verstopfen. Eine langfristige Arterienverkalkung kann somit, flankiert durch eine gesunde Ernährung, in den meisten Fällen verhindert werden.

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Doch damit nicht genug! Erst im Jahr 2007 entdeckte die dänische Forscherin Bente Pedersen einen Botenstoff, der im menschlichen Körper mithilfe von Bewegung produziert wird. Sie fand die sogenannten Myokine, die als lokale Botenstoffe in unserem Organismus agieren. Ihre Bezeichnung setzt sich aus den griechischen Begriffen Mys für Muskel und Kinema für Bewegung zusammen und verweist auf ihre Entstehung in den Muskelzellen. Durch Bewegung können wir die Produktion dieser molekularen Substanz selbst fördern. Die Tatsache, dass es sich bei den Myokinen gewissermaßen um einen inneren Arzt handelt, den Sie selbst konsultieren können, wissen vermutlich die wenigsten.
Doch wie funktioniert dies nun und wie können wir von ihrer Heilwirkung profitieren?

Bildung der Myokine durch Muskelkontraktionen
Mithilfe von Muskelbewegungen werden Myokine produziert. Als Eiweiße verteilen sie sich vom Muskel über das Blut im ganzen Organismus. Schütten unsere Muskeln diese hormonähnlichen Substanzen aus, tasten sie im Körper die Zellen ab und docken an Rezeptoren an, die auf der Zelloberfläche verschiedener Organe sitzen. Dort geben sie Signale an die Zellen ab, was weitere biologische Reaktionen in der Zelle auslöst.
In Studien hat sich gezeigt, dass Myokine gefäßaktiv sind, d. h., sie können ein Gefäß kurz- oder langfristig aktivieren und die Gefäßgesundheit fördern. Je mehr wir uns bewegen, desto höher ist der Myokinwachstumsfaktor VGEF (Vacular endothelial growth factor), der dafür sorgt, dass sich die Blutgefäße verzweigen. Die Folge: Ihre Muskeln werden besser durchblutet und dadurch leistungsfähiger. Gleiches gilt übrigens für unsere Nervenzellen.
In einigen Untersuchungen hat sich gezeigt, dass sich nach dem Sport bis zu 20 Mal mehr Myokine im Blut befanden als vor der muskulären Beanspruchung. Mittlerweile weiß man, dass es 600 bis 700 verschiedene Myokine gibt — von deren Wirkweise wir aber gerade einmal zehn Prozent verstehen.
Dennoch ist eindeutig belegt, dass die Myokine folgende heilsame Effekte haben:

– Anregung des Fettstoffwechsels,
– Steigerung des Grundenergiebedarfs,
– Aufbau von Skelettmuskulatur,
– Verbesserung der Durchblutung,
– Anregung des Knochenwachstums,
– Heilung von Entzündungsvorgängen
– und Bildung neuer Gefäße.

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